Meistkommentierte Shitstorms

3 Jun 2016

Die Startup-Bank „Number26“ schmeißt unliebsame Kunden raus

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Number23(ach nee, das war was anderes…) Number26 gilt als aufstrebendes, frisches Finanzunternehmen, das den alteingesessenen Banken in Deutschland und anderen Ländern mittelfristig gehörig das Leben schwer machen könnte. Die Berliner Gründer des Unternehmens haben ein Girokonto entwickelt, dass sich voll auf eine Smartphone-App konzentriert, womit sie laut eigenen Angabene bereits 160.000 Kunden gewinnen konnten.
number26
Doch seit einigen Tagen kämpft die Firma mit einem heftigen Shitstorm, da sie mehreren hundert Kunden zum 1. August ohne Begründung das Girokonto gekündigt hat. Da die „Bank“ Number26 keine eigene Bankenlizenz hat, ist sie auf die Kooperation mit der „Wirecard Bank“ angewiesen, über die auch die zum Konto gehörige Mastercard realisiert wird. Geld einzahlen kann man über den Service des Startups „Barzahlen“ an Kassen vieler Supermärkte.
Weil Number26 bereits im vergangenen Jahr diverse Kunden aufgefordert hat, weniger oft Geld abzuheben, wird nun gemutmaßt, dass die gekündigten Konten damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kunden dem Unternehmen zu viele Kosten verursacht haben, und zwar weil der Partner Wirecard für jede Abhebung Gebühren von Number26 erhebt. Anscheinend hat das Startup mit dem Versprechen kostenloser Bargeldabhebungen im Angesicht von Kunden, die diesen Service tatsächlich nutzen, etwas zu voll genommen. Entsprechend hat sich auf der Facebook-Seite des Unternehmens ein Shitstorm entladen von Kunden, die trotz vertragsgemäßem Verhalten einfach gekündigt wurden. Die Bewertungen des Unternehmens auf Facebook sanken in der Folge (bei englischer Spracheinstellung auf Facebook, anscheinend hat Number26 viele Englischsprachige Kunden) binnen zweier Tage von über 4 Sternen auf nur noch 2,8 Sterne. Nicht gerade abgeschwächt wurde der Shitstorm dann, als der Chefentwickler von Number26 gerade in diesem Zeitraum eine begeisterte 5*-Bewertung für sein Unternehmen auf Facebook veröffentlichte:
number23

Was meint ihr dazu:
Ist der Shitstorm gegen Number26 gerechtfertigt, denn was als junges, frisches Startup begonnen hat, hat sich erschreckend Schnell dem Gebahren der kundenunfreundlichen Altbanken angepasst?
Oder sollen die Leute sich mal nicht ins Hemd machen: Die Kündigungen waren rechtlich in Ordnung und ein Unternehmen muss in erster Linie darauf aus sein, wirtschaftlich zu arbeiten – gerade in der Anfangsphase.

29 Mrz 2016

Erdogan möchte gerne nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland die Presse kontrollieren

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In der Türkei ist es längst Gang und Gäbe: Journalisten, Blogger und einfache Bürger, darunter Jugendliche, landen regelmäßig wegen „Präsidentenbeleidigung“ vor Gericht. Bislang hatte dies allerdings seine Grenzen, und zwar an der türkischen Grenze. Nachdem Deutschland sich allerdings mit der kürzlich beschlossenen „europäischen Lösung“ der Flüchtlingskrise vom Wohlwollen der Türkei abhängig gemacht hat, hat sich Erdogan jetzt überlegt, es sei wohl Zeit für den nächsten großen Schritt:

Das am 17.3. von Extra3 veröffentlichte Lied „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ fällt nämlich in seinen Augen definitiv unter Präsidentenbeleidigung. Entsprechend zögerte Erdogan keinen Augenblick, den deutschen Botschafter zu sich einzubestellen, um ihm den Marsch zu blasen. Ab jetzt sollte auch bei der deutschen Presse Zucht und Ordnung herrschen. Der deutsche Botschafter musste „Erdowahn“ dann wohl erklären, wie die Pressefreiheit in Deutschland funktioniert. Was dabei genau gesagt wurde, ist leider nicht bekannt, aber Erdogan muss sehr verwundert gewesen sein, als der Botschafter ihm erlärt hat, dass er da leider überhaupt nichts machen kann, auch wenn die Türkei noch so schöne Flüchtlingsdeals macht. Und dass obwohl der NDR doch quasi ein Staatssender ist! Lächerlich, diese Deutschen…haben nichtmal ihr öffentlich rechtliches Fernsehen unter Kontrolle. Kein Wunder, dass die AfD so viele Stimmen hat, in Russland oder der Türkei hätte es das nicht gegeben, da hätte die Führerin die CDU immer 98%!
Nachdem Erdogan sich mit dieser Aktion auf preisverdächtige Weise zum Gespött der westlichen Welt gemacht hat, ist es umso komischer, dass er gleichzeitig auch noch auf den Pfaden von Barbra Streisand zu wandeln versucht:
erdogan
Der nach Barbra benannte Streisand-Effekt wurde jedenfalls in letzter Zeit niemandem so sehr zum Verhängnis, wie dem guten Recep Tayyip. Denn wie man an der obigen Abbildung mit den Youtube-Stats des Extra3-Videos ablesen kann, wurde das Video bis vorgestern erst schlappe 50k mal angesehen, was vor allem daran gelegen haben dürfte, dass es ohnehin keinen besonderen Mehrwert gegenüber dem bislang weithin bekannten bot und auch nicht wirklich neue satirische Elemente mit einbrachte. Eher sogar keine: Satire versucht ja durch Übertreibung und andere Stilmittel zu entlarven. An Erdogan muss aber gar nichts mehr übertrieben werden. Mit dessen präsidialer Hilfe fand das Video nun zu vollkommen unverhoffter Popularität, so dass es mittlerweile sogar eine Variante mit türkischen Untertiteln gibt. Damit sich diese unkontrollierten Informationen sogar in der Türkei verbreiten können. Ouch, Erdogan.
Also: Shitstorm gegen den Unterdrückungswilligen Erdogan? Oder sollen sich die Spötter mal nicht ins Hemd machen, denn die kommen gleich als nächstes in den türkischen Knast. Und zwar alle!

Nachlese, besonders empfehlenswert der vorletzte Absatz: faz

8 Mai 2016

Shitvote: Der Shitstorm der Woche #6 …mit Schokolade!

Die vergangene Shitstormwoche hat seit langem mal wieder ernsthafte Politikscheiße aufgewirbelt. Mit Donald Trumps unglaubwürdiger 180-Grad-Wende, dass er von einer Sekunde auf die nächste alle Hispanics liebt (wegen des leckeren Essens) und der Ausladung der AfD aus dem Münchener Hofbräukeller gab es gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Anlass für wirklich ernsthaften im politischen Kontext. Garniert wurde das ganze durch ebenfalls zwei direkt aufeinanderfolgende Shitstorms zum selben Themenfeld: Festivals. Während die einen (Rock am Ring) ihre Fans mit einer Frühanreisegebühr abzuzocken versuchen, wollen die anderen (Tomorrowland) ihren Fans mit einem kostenpflichtigen Public-HearingViewing das Geld aus der Tasche ziehen und den Festivalgedanken vollkommen ad absurdum führen. Außerdem gabs Anfang der Woche leicht Sturmverwuschelte Haare, weil Urban Outfitters ein Shampoo im Angebot hatte, das für „Selbstmordgefährdetes Haar“ gedacht war. Welch Frevel, sich einen Spaß mit so etwas ernstem wie Selbstmord und Depression zu machen…
Was meint ihr, welcher dieser Shitstorms in der abgelaufenen Woche im Vergleich am meisten StaubShit aufgewirbelt hat?


Außerdem nun die Ergebnisse der letzten Woche:
1. Platz:
34% der Stimmen hat von euch Sandro Wagner dafür bekommen, dass er meinte ein Gehalt von 12 Millionen Euro sei für einen Fußballer obszön wenig. Der Arme. Damit er trotz dieses Hungerlohns nicht über einen leeren Teller weinen muss, bekommt er von uns etwas Schokolade. Guten Appetit, Sandro, du hast sie dir verdient.
2. Platz:
24% von euch waren der Meinung, dass die Werbeagentur Jung von Matt mit ihrem Werbespot für das Lernen von Fremdsprachen und gegen die Nutzung von Untertiteln ziemlich unsensibel gegenüber Gehörlosen war. Solche Werbespots machen die ganzen Bemühung für Barrierefreiheit der letzten Jahre einfach kaputt.
3. Platz:
17% eurer Stimmen haben sowohl Mats Hummels gekriegt für seine Entscheidung, die „Echte Liebe“ zu beenden und stattdessen den Sandro-Wagner-Rat zu befolgen und mehr Geld zu verdienen, als auch die gute Frau aus Aue, die dort auf eine Parkbank kackte und uns dadurch mit der Idee beglückte, das wunderbare Lied „Die immer kackt“ zu suchen und zu finden 🙂

11 Aug 2016

Shortstorm: Inszenierter Parkplatz-Shitstorm in Plymouth

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In der südenglischen 250.000-Einwohner-Stadt Plymouth tobt ein Shitstorm gegen die Stadtverwaltung. Landesweit und mittlerweile auch in Deutschland berichten Medien darüber, wie die Bewohner vor Wut über die schwachsinnige Parkregelung geradezu kochen. In der Cross Park Avenue wurden nämlich an beiden Rändern der Fahrbahn Markierungen aufgebracht, die anzeigen, wie weit das Auto beim Parken auf der Fahrbahn stehen soll. Und wenn man diese Parkflächen konsequent nutzt, ist die Straße nicht mehr benutzbar und die geparkten Fahrzeuge können nicht mehr wegfahren.
plymouth
Irre dämlich, oder?
Einzig in Plymouth selbst kann man die Aufregung nicht so ganz verstehen. Die Lokalzeitung Plymouth Herald hat sich die Mühe gemacht, die Anwohner persönlich zu befragen, wie sie zu der Markierung stehen. Und entgegen den verbreiteten Berichten, sie seien allesamt stocksauer, waren sie eigentlich eher von der ganzen Aufregung irritiert. Die Linien wären schon seit über 10 Jahren in dieser Form auf der Straße und wurden lediglich erneuert – und zwar auf Bitten der Anwohner. In den 10 Jahren hätte es überhaupt keine Probleme gegeben, berichtete der 93-Jährige Wallace Hamnett. Niemand würde so parken, dass die Straße auf beiden Seiten versperrt ist –

Die Leute nutzen ihren gesunden Menschenverstand.

Und auch Bürgermeister Ian Bowyer bestätigte, dass diese Fahrbahnmarkierung schon seit Ewigkeiten gut funktioniert und verhindert, dass die Autos zu weit auf der Straße stehen.

Was meint ihr dazu:
Hat sich die Plymouth’sche Stadtverwaltung den Shitstorm verdient, auch wenn die Anwohner eigentlich ganz zufrieden sind? Schließlich ist die Straßenmarkierung bei konsequenter Nutzung der Parkflächen einfach selten dämlich!
Oder sollen sich die Leute, die dort überhaupt nicht leben, mal nicht ins Hemd machen und stattdessen ihr Hirn einschalten?

Nachlese: Plymouth Herald

6 Mai 2016

Donald Trump versucht, sich bei den Hispanics einzuschleimen

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Der US-Vorwahlkampf scheint entschieden zu sein: Während bei den Demokraten wohl kein Kandidat mehr an Hillary Clinton vorbeikommen kann, hat sich bei den Republikanern Donald Trump gegen all seine Konkurrenten durchsetzen können. Nach einem Wahlkampf, den er im Wesentlichen auf dem Schlachtruf aufbaute, Amerika endlich wieder Großartig zu machen und darauf und auf der Beschimpfung und Ausgrenzung von Minderheiten, ist nun ein Richtungswechsel nötig.
Im Vorwahlkampf ging es schließlich nur darum, die allgemein etwas radikaleren Republikaner hinter sich zu bringen. Nun allerdings, wo Trump den Vorwahlkampf wohl gewonnen hat, gilt es, die gesamte US-Bevölkerung zu überzeugen.
Die neue Zentrale Strategie scheint dafür zu sein: Amerika endlich wieder groß machen. Und sich an Minderheiten anbiedern.
Noch vor einer Woche hasste Trump alle Nichtweißen Bislang betonte Trump unter anderem regelmäßig, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu wollen („and let them pay for it!“), um die Mexikaner aus seinem geliebten Land halten zu können, aber gestern, am mexikanischen Feiertag Cinco de Mayo postete er das Folgende:


Welch eine Wendung, ganz getreu dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern“ bemüht sich Donald Trump nichteinmal, einen glaubwürdigen Kurswechsel zu vollziehen, sondern verkündet einfach von einem Tag auf den anderen, MaisfresserHispanics nun zu lieben. Und das alles nur wegen eines überaus schmackhaften Tacos!
Sein Tweet wurde in kürzester Zeit ca. 80.000 mal retweetet und allerorten regte man sich über seinen unglaubwürdigen Meinungswandel auf, vor allem aber darüber, dass er alle Hispanics bloß nach etwas zu essen beurteilt. Welch Ignoranz gegenüber den Menschen, sie bloß auf einen Taco zu reduzieren. Manch einer fragte, ob Trump wohl als nächstes eine Pizza essen und alle Italiener lieben würde.
Was meint ihr dazu: Hat sich Trump mit seinem manipulativen, menschenfeindlichen, inhaltsleeren und unglaubwürdigen Wahlkampf zu diesem Anlass mal wieder einen Shitstorm verdient?
Oder sollen sich die Leute mal nicht ins Hemd machen: Wahlkampf ist gerade in den USA schon seit jeher nur Show und ohne zu polarisieren hat man keine Chance. Mit der Politik, die Trump am Ende vielleicht machen würde, hätte dieser Wahlkampf ohnehin nix zu tun…