Rassismus Archiv

11 Aug 2016

Shortstorm: Snapchat wegen Asia-Filter im Shitstorm

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Schonmal mit den Fingern die Augen bzw. die Lider son bisschen nach außen gezogen, um Dir „Schlitzaugen“ zu machen? Vielleicht vor längerer Zeit als Kind mal?
Heute braucht man für solche Späße nicht mehr selbst Hand anlegen. Snapchat bietet extra einen Filter an, mit dem man sein Gesicht asiatisieren kann!
snapasia
Schnell wurde Snapchat auf breiter Front geshitstormt, weil es mal wieder einen rassistischen, beleidigenden Gesichts-Filter veröffentlicht hatte.
Snapchat hingegen verhielt sich in Reaktion darauf etwas inkonsistent: Zwar beteuerte man, es sei alles ein Missverständnis, denn der neue Filter sei kein rassistischer Asia-Filter, sondern eine „spielerische Interpretation japanischer Animes“. Gleichzeitig zog man aber dennoch blitzschnell die ReisleineReißleine (hihi – Reis, Asien…) und entfernte den Filter wieder.

Was meint ihr dazu:
Ist Snapchat mal wieder in die Rassismusfalle getappt und hat sich einen gehörigen Shitstorm verdient?
Oder sollen sich die Leute nicht ins Hemd machen, es ist nicht alles auf dieser Welt rassistisch.

27 Jul 2016

Mario Barth bricht eine Lanze für „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“

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Es ist heutzutage schon schwierig geworden, Shitstormfrei zu kommunizieren. Viele Themen kann man wegen der allgemein erwarteten Political Correctness öffentlich kaum ansprechen oder man glaubt bei Themen, die eigentlich vollkommen okay sind, irrtümlich, es gäbe Probleme, diese anzusprechen.
Es ist ein interessantes Wechselspiel dieser (vermeintlichen) Redeverbote, dass manchmal etwas einfach gesagt wird ohne dass groß Aufhebens gemacht wird, manchmal ein riesiges Getöse um inhaltsgleiche Aussagen entsteht und manchmal etwas bewusst nicht gesagt wird, aus Angst man dürfe nicht darüber sprechen. Das geht so weit, dass mitunter das Wort „aber“ schon gar nicht mehr verwendet werden mag. Eigentlich dient das Wort „aber“ ja dazu, um eine Sache einzuschränken, um auf Ausnahmen hinzuweisen und so weiter. Harmloses Beispiel: „Autos haben in der Regel 4 Räder, aber es gibt auch spezielle Gefährte mit 6 Rädern.“ Das versteht jeder: Niemand wird infrage stellen, dass die Norm eines Autos vierrädrig ist.
Mittlerweile wird das Wort „aber“ jedoch oft eher so verstanden, dass es alles davor gesagte zu belanglosem Gewäsch degradiert, und die einzig relevante Aussage nach dem aber folgt. Beispiel: „Ich habe generell nichts gegen Ausländer, aber manche sind kriminell.“ Hier ist die eigentliche wörtliche Aussage rein inhaltlich vollkommen korrekt, niemand kann ernsthaft bestreiten, dass kriminelle Ausländer existieren. Wenn dieser Satz allerdings im falschen Umfeld geäußert wird, steht man gern als Ausländerfeind da, der alle Moslems für Terroristen hält, obwohl man genau das doch mit der positiven Grundbemerkung ausschließen wollte.
Dieses Problem scheint auch Mario Barth zu kennen:
barth

Es wird immer schwieriger zu schreiben, wie man etwas empfindet, da man entweder dann ein „Hetzer“, ein „Angstverbreiter“, ein „Natzi“, ein „Publizist“ oder ein „Idiot“ ist.

In einem weiteren Facebookpost ging Mario Barth bereits auf seine etwas mangelhafte Rechtschreibung ein und kritisierte zu Recht, dass viele Leute sich so sehr auf das Wort „Natzi“ stürzten, dass sie glatt vergaßen, dass sein Posting darüber hinaus auch noch einen Inhalt hat. Verzeihen wir ihm also den Natzi und versuchen wir zu interpretieren, dass der „Publizist“ möglicherweise ein Populist sein soll. Der Mann hat ja nie behauptet, der Goethe des 21. Jahrhunderts sein zu wollen.
Eines der Unwörter der letzten Zeit scheint Mario Barths Zustand ganz gut zu beschreiben: Er ist ein „besorgter Bürger“. Und das zu Recht, denn nachdem man sich in den letzten Tagen allabendlich auf Berichte über einen neuen Anschlag, Amoklauf oder ein Attentat mitten in Europa freuen durfte, ist ein wenig Besorgnis wohl durchaus angebracht. Und über seine Unzufriedenheit mit der verschwurbelten, verzerrenden, absichtlich verwirrenden und verschleiernden Kommunikation der Regierung kann auch niemand, der ganz bei Verstand ist, ernsthaft empört sein.

Comedy-Kollege Michael Mittermeier ist es dennoch, nebst vielen Fans, Newsseiten und Blogs, die ihn dafür feiern.
barth2
„Wie dieser Post geschrieben ist, gespickt mit Best-Of-Besorgte-Bürger-Floskeln, das nennt man Fan-Fischen am billigen Rand“ – Zack wurde Mario Barth vom Mittermeier als Populist entlarvt. Und auch als Angstmacher: Barth würde „Ängste schüren, verkleidet als Verunsicherungs-Mitgefühlsnummer“ das Herumhacken auf de Maizière sei „nur billige Stimmungsmache“ und als Fazit sind für Mittermeier genau an diesem Punkt die Grenzen der Comedy überschritten und Barth hätte das Reden „der Gegenseite“ überlassen und die Fresse halten sollen. Offen bleibt, wer diese Gegenseite sein soll und warum ein Mario Barth sich nicht in seiner Freizeit auch mal unkomödiantisch äußern darf. Immerhin gibt Barth ja selbst zu, er wisse, er sei „eigentlich für Comedy zuständig“.

Was meint ihr dazu:
Tobt gegen Mario Barth zu Recht ein Shitstorm, denn er versucht auf manipulative Weise, Zustimmung im Lager der einfältigen besorgten Bürger zu fischen?
Oder soll Michael Mittermeier sich mal nicht ins Hemd machen: Seine betont herablassende Analyse von Barths Posting ist mindestens eben so billiges „Fan-Fischen“, nur eben nicht am „billigen Rand“, sondern dem „teuren Rand“ (was ist das nun wieder?). Zudem sollte man wohl auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass ein Mensch wie Mario Barth tatsächlich besorgt sein könnte, ganz ohne ein „Publizist“ zu sein.

18 Jul 2016

Die Veranstalter des Festivals „Bochum Total“ haben Araber als potentielle Sexualstraftäter dargestellt

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Mehr als 700.000 Menschen haben von Donnerstag bis Sonntag bei Bochum Total gefeiert. Für die Betreiber und auch die Polizei war das Festival ein voller Erfolg, das Fazit falle durchwegs positiv aus, vermeldete man da wie dort. Sehr negativ fielen hingegen im Vorfeld des Festivals die Reaktionen auf einen Facebook-Post der Betreiber aus:
Dort wurde nämlich sehr verunglückt versucht, arabischsprechenden Ausländern klarzumachen, dass ein Festival kein sexueller Selbstbedienungsladen ist (anders als das z.B. in Köln mitunter der Fall ist):
bototal
Was dort auf arabisch geschrieben stand, ich kann es nicht prüfen, aber auch die freie deutsche Übersetzung genügte für einen handfesten Shitstorm.

Kommt alle zu Bochum total, aber versteht, dass die Deutschen auf ihre Art feiern und dass viel Alkohol getrunken wird. Auf keinen Fall wollen Frauen angebaggert oder bedrängt werden. Auch nicht, wenn sie nur wenig Kleidung tragen. Das ist hier so üblich.

Zu Recht wurde schnell festgestellt, dass es zwar immer eine gute Idee ist, vor einem Festival nocheinmal daran zu erinnern, dass nicht alle feiernden Frauen gern begrapscht werden. Dies aber so offensiv an arabische Gäste zu adressieren ist schon ziemlich rassistisch.
bototal2
Einige Bands schlossen sich dieser Ansicht demonstrativ an und sagten schließlich sogar ihre Auftritte ab. Andere hingegen entschieden, wie die Gruppe „Radio Havanna“ ihre Gage an integrative Einrichtungen zu spenden.
Seitens der Fans hingegen gab es allerdings durchaus gemischte Ansichten. Neben den vielen Kritikern bekannten auch viele Fans, dass sie vom grundsätzlichen Inhalt her durchaus Verständnis für die Hinweise an die arabisch sprechenden Gäste hätten, Formulierung und Präsentation seien aber sehr ungeschickt gewesen. Generell sei es durchaus eine vertretbare Idee, auf andere kulturelle Gepflogenheiten hinzuweisen.

Was meint ihr dazu…
Shitstorm gegen rassistische Festivalbetreiber, die pauschal alle Arabischsprachigen als potentielle Vergewaltiger betrachten?
Oder sollen sich die Leute mal nicht ins Hemd machen? Klar, das war unglücklich dargestellt, aber im Grunde ist so ein Hinweis ja nicht verkehrt…

8 Jul 2016

Sozialer-Netzwerk-Scherz: Deutschland muss jetzt in Frankreich einmarschieren. Witzig oder vollkommen behinderte Kriegsscheiße?

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Die Witze sind älter als das Internet:
„Das Leben ist wie Frankreich – Da muss man durch“
„Wie breit ist Frankreich von Ost nach West? – 25 Panzerstunden“
„Warum haben Französische Panzer Rückspiegel? – Damit sie die Front im Blick haben.“
„Was steht bei ebay als Beschreibung zu einem französischen Gewehr? Nie benutzt, nur einmal fallengelassen!“
…und so weiter.

Und das EM-Halbfinale war für viele Freunde des niedrigen Niveaus ein willkommener Anlass, all diese Klassiker des zweifelhaften Geschmacks endlich mal wieder hervorzuholen. Und so wurde auch in den sozialen Netzwerken allerorten geteilt was das Zeug hält, Deutschland müsse im Falle einer Halbfinalniederlage wohl mal wieder seine Panzer reaktivieren, was dann nach dem Schlusspfiff des Spiels umso konkreter wurde:
em-panzer3
Während manche eher subtilere Töne anschlugen, wie „Das erste mal, dass auf französischem Boden ein deutscher Angriff abgewehrt wurde“ oder unzählige weitere mehr oder minder elaborierte Gags, fand es offensichtlich manch anderer witzig in vollkommen überzogener Hitlermanier das Volk zum Krieg aufzurufen. Das das niemand ernst meinte, dürfte jedem klar sein. Viele sehen jedoch die Grenzen des guten Geschmacks weit überschritten, und zwar auch beim im folgenden Facebook-Post geteilten Kommentar, den Facebookuser einhellig als „peinlich bis abartig“ bewerteten:

[Überarbeitung des Artikels vom 11.07.:
Der betreffende Facebook-User hat uns gebeten, den Screenshot zum Facebook-Post zu entfernen, da er für seinen Kommentar mit anhaltender massiver Kritik konfrontiert wurde. Wir verraten daher nicht mehr, wie er heißt. Der Post lautete:

Die 7. Panzerdivision steht schon bereit und wird Frankreich zermalmen.

Zur Kritik an dem Post: Im Ernst? Wer ist so verklemmt, für so eine Aussage ernsthafte Kritik zu üben? Wenn man das nicht witzig findet, ok, aber wenn sich ein Mensch von der Kritik danach so sehr unter Druck gesetzt fühlt, dass er verzweifelt um eine zweite Chance bittet in einem Internet, das nicht vergisst, dann haben die Kritiker meiner ganz eigenen Meinung nach einen Knall.]

Zu allem Überfluss wurden dann nach Spielende sogar die Isländer mit in die Kriegsrhetorik mit einbezogen, weil sich -vielkritisiert, unter anderem direkt aus Island- die französischen Fans den charakteristischen isländischen Jubel zueigen machten.

Jesus christ France…you beat us, find your own way to celebrate your win! #embarrasing

Und entsprechend wurde nahegelegt, dass die Isländer anscheinend bei der deutschen Invasion in Paris mit dabei wären:
em-panzer4

Was meint ihr zu der ganzen Weltkriegswitzelei:
Ist die Grenze des guten Geschmacks weit überschritten mit Kommentaren wie den obigen und der Shitstorm gerechtfertigt? Sind diese dummen Witze einfach nicht witzig und Quell von Deutsch-Französischer Abneigung, die einer wahren Freundschaft der Länder auch auf Ebene der Bevölkerung im Wege stehen?
Oder sind Franzosenwitze einfach immer witzig, wenn man sich erstmal auf das niedrige Niveau eingelassen hat? Sollen sich die Leute mit nem Stock im Arsch mal nicht ins Hemd machen…

28 Jun 2016

Der CSD Frankfurt ändert auf öffentlichen Druck hin sein Motto „Lieb geil“

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Der Frankfurter Christopher Street Day wird in diesem Jahr am 16. Juli stattfinden. Kein Grund, dass es nicht bereits heute einen Shitstorm geben sollte! Das folgende Motto hatten sich die Organisatoren überlegt, um auf ironische Weise zu unterstreichen, dass sie gegen Nazis sind:
csd
Der Führer des Umzuges sollte ein gewisser A.H. mit sympathischem Bärtchen sein, der zum Gruße regelmäßig das Motto „LIEB GEIL!“ gerufen hätte:
csd3
Nun jedoch haben die Veranstalter einen Rückzieher gemacht und kurzfristig ein neues Motto präsentiert: „Liebe gegen Rechts!“ Und auch von der Maskottchenfigur Adrian H. hat man sich mittlerweile distanziert und die Verlinkung zum Vorstellungsvideo der Kunstfigur von der offiziellen CSD-Website ausgemerztgelöscht.
CSD-Sprecher Joachim Letschert teilte zu dem Umschwenk mit, die Kritik aus der Community wäre massiv gewesen. Einige Gruppen hätten erklärt, die Parade durch die Innenstadt zu boykottieren oder sogar GegenschlägeGegenveranstaltungen zu initiieren.
Einer der ersten Kritiker war das Autonome Schwulenreferat der Goethe-Uni. Sie fürchteten, rechte Symbole würden durch einen satirischen Umgang eher legitimiert.

Wir hatten Angst, dass die Stimmung außer Kontrolle geraten könnte, wenn viele Menschen das Motto rufen und vielleicht noch den Arm dazu heben

Das Präventionsprojekt der Aidshilfe „Hessen ist geil“ erklärte weiter:

Symbolik, die an Völkermord erinnert, eignet sich nicht zur Aneignung, insbesondere nicht NS-Symbolik, reproduziert durch Deutsche.

Und auf Facebook sammelte sich Blitzartig Kritik, die Kampagne sei unter anderem eine äußerst unappetitliche Zumutung und unglaublich gedankenlose EntartungEntgleisung.

Bei all der Kritik, man dürfe nicht einfach über Hitler lachen, muss man sich allerdings fragen: Sind dann alle Hitlerparodien der letzten Jahre vollkommen unangemessen gewesen? Warum sollte man denn eigentlich nicht über ihn lachen dürfen? Ist das dann Blasphemie oder wie? Ist nicht Satire ein wichtiges Medium, um Dinge wie das 3. Reich zu verarbeiten oder heutige Probleme anzuprangern?
Und haben die unendlich liberalen und toleranten Socialmedia-Nutzer nicht gerade erst bei Böhmermanns Schmähgedicht regelmäßig bekräftig, „Satire“ dürfe alles? Erstaunlich, wie es ein absolutes Nogo ist, wenn Erdogan „die Freiheit von Satire beschneiden will“, auch wenn der konkrete Fall wirklich zutiefst beleidigend ist. Wenn allerdings Witze über Hitler gemacht werden, überbietet sich die Queer-Gemeinschaft darin, sich das eigene Mundwerk zu verbieten, denn Satire gegen Rechts sei gedankenlos und unappetitlich.

Die Organisatoren schienen auch nicht ganz glücklich mit dem nun geschlossenen Kompromiss zu sein. Sie betonten, sie hielten es nach wie vor für notwendig, ein Thema auch provokant darzustellen. Viele Mottos verpufften ihrer Meinung nach schnell, wenn sie nicht provokant genug seien. Die Welle der Empörung, die ihnen entgegengeschlagen sei, hätten sie mit Bestürzung aufgenommen, das Motto wäre doch unmissverständlich gegen Rechts gewesen, „ein Mann in rosa Uniform und Hitler-Bärtchen ist doch eindeutig eine Parodie“.

Was meint ihr dazu:
War der Shitstorm gegen das Motto „Lieb geil!“ gerechtfertigt, denn Witze über die NS-Zeit verharmlos die damals angerichteten Gräueltaten?
Oder hätten sich die Kritiker mal nicht ins Hemd machen sollen: Bei Böhmermann durfte Satire noch Ziegenficker sagen, jetzt hingegen sollen auf einmal nichtmal mehr rosa Uniformen erlaubt sein?! Gerade der humoristische Vergleich der heutigen Rechten mit der Hitlerdiktatur, die auch mal klein angefangen hat, ist doch wichtig, um die Gefahren des Extremismus im Blick zu behalten!