Gesellschaft Archiv

5 Sep 2016

Das am dümmsten besiedelte Bundesland

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Bei einem Shitstorm zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern denkt man naturgemäß erstmal daran, dass die braune NPD mal wieder triumphierend in den Landtag eingezogen ist. Weit gefehlt, es traf Herrn Mack, Politiker der Grünen, der auf Twitter folgenden Tweet zum Besten gab:

Das am dümmsten besiedelte Bundesland

Nachdem dieser Tweet als „arroganter Schwachsinn“ abgetan wurde, kam noch ein Kommentar von dem Publizist Hugo Müller-Vogg:

Wählerbeschimpfung bestärkt Wut- und Protestwähler

Darauf entgegnete Mack noch: „Dünn besiedelt, auf Zuwanderung angewiesen, wählt AFD auf 2. Platz, schreckt Investoren ab. Ja, das ist dumm“.

Hat Herr Mack mit seiner Äüßerung einfach nur unglücklich formuliert, was viele gedacht haben – die Internetgemeinde sollte sich also nicht ins Hemd machen. Oder sollte seine Partei ihn für diese geschmacklose Äußerung lieber mit ökologischem Tierauswurf farblich der NPD anpassen?

23 Aug 2016

Drogen-Shitstorm gegen den österreichischen Politiker Oliver Schönsleben

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Drogen sind in der Politik heutzutage ein immer präsenter werdendes Thema. Vor allem die Legalisierung von Marihuana wird immer wieder in den Raum gestellt und wird wegen mitunter durchaus nachvollziehbarer Argumente, insbesondere im Vergleich zum legalen Alkohol mittelfristig wohl tatsächlich stattfinden. Es ist einfach nicht angemessen, dass Alkohol und Tabak, die zigtausende Menschen und auch unzählige Unbeteiligte (Unfallopfer, Passivraucher, Alkoholschwangerschaften) jährlich das Leben kosten, weiterhin legal sind, während das verhältnismäßig wenig gefährliche Gras weiterhin verboten ist. Da gleichzeitig bereits bekannt ist, was passiert, wenn man nun konsequenterweise auch den Alkohol verbietet, wie es die Amerikaner mal probiert haben, dürfte über kurz oder lang damit zu rechnen sein, dass die Droge Marihuana, die längst in Teilen der Gesellschaft angekommen ist und z.B. in den Niederlanden seit langem kein größeres Problem darstellt, in immer mehr Ländern legalisiert wird.
drogen
Portugal ging vor einigen Jahren sogar noch einen Schritt weiter und „entkriminalisierte“ mit einem Mal sogar den Konsum aller Drogen. Die positiven Effekte sind dabei recht beeindruckend: Die Konsumzahlen gingen leicht zurück, insbesondere reduzierten sich die Ansteckungen mit HIV und Hepatitis durch infizierte Spritzen dramatisch. Der Politiker der österreichischen Grünen Oliver Schönsleben griff einen Bericht über diese positive Entwicklung auf und fragte daher via Facebook:

Mit seiner mutigen Drogenpolitik hat Portugal viel erreicht […] Wie mutig ist Österreich?

Und es dauerte nicht lang, bis er dafür aufs schärfste Kritisiert wurde, gleichsam aber natürlich auch viel Zustimmung bekam.
Von der FPÖ wurde er beschimpft, „Der Klubobmann der Mariahilfer Grünen entpuppt sich als Vertreter der Drogen-Lobby“ und unter dem Hashtag „#durchgeknallt“ titulierte man ihn als „geisteskrank“, während die der FPÖ nahestende Website erstaunlich.at die Meinung vertrat:

Ein Land, in dem sämtliche Drogen freigegeben werden, hat keine mutige sondern eine völlig verantwortungslose und idiotische Drogenpolitik.

Doch wie passt diese Sichtweise zu den tatsächlichen Erfolgen in Portugal?

Was meint ihr dazu:
Ist der Shitstorm gegen Schönsleben gerechtfertigt, denn eine Legalisierung harter Drogen ist einfach geisteskrank, verantwortungslos und würde Drogenprobleme massiv verschärfen?
Oder sollen sich die AfDFPÖ-Anhänger mal nicht ins Hemd machen und ihre Augen öffnen: Die Kriminalisierung der Opfer von Drogen ist einfach der falsche Weg. Und bei manchen Drogen sollte man generell mal drüber nachdenken, die auf einem im Verhältnis zum Alkohol angemessene Stufe zu stellen.

18 Aug 2016

Shortstorm: Lepiziger Polizist verbummelt seine Maschinenpistole

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Die Leipziger Polizei berichtete vergangene Woche, bei einem Einsatz sei ein „Ausrüstungsgegenstand“ verloren gegangen. Nachdem Spekulationen um den Gegenstand ihren Anfang nahmen, wurde dann bald präzisiert: Ein Polizeibeamter hatte seine Maschinenpistole verloren. Im Anschluss begann eine groß angelegte Suchaktion mit 30 Beamten und Sprengstoffhunden, die leider nicht mehr als das Magazin der Waffe wieder auftreiben konnten. Die scharfe Waffe selbst hingegen blieb weiterhin verloren. Nun stellt die Polizei die Suche ein.
mp
Auf Twitter äußerten sich die meisten User nach dem Vorfall mit hämischen Kommentaren:

– wer noch nie eine maschinenpistole verloren hat, der werfe die erste kugel
– Polizei Leipzig verliert eine #Maschinenpistole. JVA #Ronsdorf vermisst 1000 Schuss Muniton. Das Darknet geht offline.
– „Ein Polizist hat im Einsatz seine Maschinenpistole verloren…“ – Ja, kenne ich, mir kommen im Büro immer die Kugelschreiber abhanden..

mp2

Was meint ihr dazu:
Hat sich der schusselige Polizist einen Shitstorm verdient, weil man mit Dienstwaffen etwas sorgfältiger umgehen muss als mit Kugelschreibern, die man irgendwie andauernd irgendwo verbummelt?
Oder sollen sich die Leute mal nicht ins Hemd machen: Jeder hat doch schonmal was verloren, viel schlimmer sind hingegen unehrliche Finder, die selbst verlorene Portemonnaies mit Personalausweis etc. nicht zurückgeben (oder eben Maschinenpistolen 🔫)!

17 Aug 2016

TV-Physiker Harald Lesch erklärt das AfD-Wahlprogramm

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Harald Lesch, vielen wissbegierigen Fernsehzuschauern bekannt durch Formate wie „Leschs Kosmos“ oder „Terra X“ hat sich in einem Internetvideo dem Wahlprogramm der AfD angenommen. Da er Physiker ist und sich daher in seinem eigenen Kompetenzgebiet verdingen wollte, griff er dazu die Programmpunkte der AfD zu den Themen Klimawandel und Energiewende heraus. Für seine Einschätzung und das Fazit, die Aussagen der AfD gingen „an der Wirklichkeit vorbei“ erntete er im Anschluss einen gehörigen Shitstorm.

Zahlreiche AfD-Anhänger schickten Lesch im Anschluss Hassmails, reichten Beschwerden beim Intendanten des ZDF ein und sogar beim Präsidenten der LMU München, Leschs Universität.
Gleichfalls mehrten sich im Anschluss allerdings die ebenso hasserfüllten Postings von Leschs Befürwortern, die ihren Gegnern die absolute Dummheit und noch viel mehr unterstellten. Spiegelbild der heutigen Shitstormgesellschaft: Beleidigungen en Masse, allerdings nicht das geringste Anzeichen von Diskussionsbereitschaft. In einem weiteren Video setzte Lesch sich bereits mit diesem Hassphänomen auseinander.

Es fanden sich allerdings auch bedachtere Stimmen, die Kritik an Leschs Methode äußerten. Unter anderem wurde dabei kritisiert, dass Lesch sich ab der Videostelle 5:37 darüber auslässt, wie die AfD Daten verfälschend wiedergibt, indem sie sich einen Zeitausschnitt herausgreift, der für ihre Thesen passend ist. Gleichzeitig versucht Lesch kurz darauf jedoch nicht einmal, der vorprogrammierten Kritik Wind aus den Segeln zu nehmen, dass er genau dasselbe täte. Zumindest allein aus dem Video heraus ist seine Methodik keinen Deut besser.
Wenn Lesch also Kant zitiert „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, dann muss er wohl damit rechnen, dass manch einer nach seinem Video immer noch nicht überzeugt ist. Dazu bedarf es dann etwas mehr als 9 Minuten und 55 Sekunden.

Was meint ihr dazu:
Hat sich Lesch den Shitstorm verdient, weil er eine Methode kritisiert, die er im gleichen Atemzug selber anwendet und weil er sich zu wenig Mühe gibt, glaubwürdiger als die AfD (😜) zu sein?
Oder sollen sich die AfDler nicht ins Hemd machen, wenn ein Physiker ihnen mal erklärt, dass ihre Weltsicht so einfach nicht zur realen Welt passt?

11 Aug 2016

Shortstorm: Inszenierter Parkplatz-Shitstorm in Plymouth

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In der südenglischen 250.000-Einwohner-Stadt Plymouth tobt ein Shitstorm gegen die Stadtverwaltung. Landesweit und mittlerweile auch in Deutschland berichten Medien darüber, wie die Bewohner vor Wut über die schwachsinnige Parkregelung geradezu kochen. In der Cross Park Avenue wurden nämlich an beiden Rändern der Fahrbahn Markierungen aufgebracht, die anzeigen, wie weit das Auto beim Parken auf der Fahrbahn stehen soll. Und wenn man diese Parkflächen konsequent nutzt, ist die Straße nicht mehr benutzbar und die geparkten Fahrzeuge können nicht mehr wegfahren.
plymouth
Irre dämlich, oder?
Einzig in Plymouth selbst kann man die Aufregung nicht so ganz verstehen. Die Lokalzeitung Plymouth Herald hat sich die Mühe gemacht, die Anwohner persönlich zu befragen, wie sie zu der Markierung stehen. Und entgegen den verbreiteten Berichten, sie seien allesamt stocksauer, waren sie eigentlich eher von der ganzen Aufregung irritiert. Die Linien wären schon seit über 10 Jahren in dieser Form auf der Straße und wurden lediglich erneuert – und zwar auf Bitten der Anwohner. In den 10 Jahren hätte es überhaupt keine Probleme gegeben, berichtete der 93-Jährige Wallace Hamnett. Niemand würde so parken, dass die Straße auf beiden Seiten versperrt ist –

Die Leute nutzen ihren gesunden Menschenverstand.

Und auch Bürgermeister Ian Bowyer bestätigte, dass diese Fahrbahnmarkierung schon seit Ewigkeiten gut funktioniert und verhindert, dass die Autos zu weit auf der Straße stehen.

Was meint ihr dazu:
Hat sich die Plymouth’sche Stadtverwaltung den Shitstorm verdient, auch wenn die Anwohner eigentlich ganz zufrieden sind? Schließlich ist die Straßenmarkierung bei konsequenter Nutzung der Parkflächen einfach selten dämlich!
Oder sollen sich die Leute, die dort überhaupt nicht leben, mal nicht ins Hemd machen und stattdessen ihr Hirn einschalten?

Nachlese: Plymouth Herald