Feminismus Archiv

1 Sep 2016

Cathy Hummels trägt ein Spielerfrauen-Trikot

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Man kann es ihr wohl kaum verdenken. Nachdem ihr Mann zu den Bayern gewechselt ist, hat sich Cathy ein rotes T-Shirt übergeworfen und ihn wie üblich angefeuert. Doch wer genauer hinschaut entdeckt unter der Nummer ihres Liebsten die Buchstaben „Wifey“. Klingelts?

Wifey-Shirt

Nagut, holen wir noch weiter aus: Cathy möchte selbst nicht über das Klischee der Spielerfrau eingeordnet werden. Das Fußballmagazin „11 Freunde“ veröffentlichte nun das obige Bild mit dem Kommentar „Günstig abzugeben: Die Selbstachtung“. Die Abonnenten ließen nicht lange auf sich warten und schrieben

Dieses Weib würde selbst den durchschnittlichen IQ einer Elite-Uni auf minus drücken…

Denkt ihr, die hübsche Cathy hat den Shitstorm verdient? Denn offenbar lebt sie gerade das klischeehafte Spielerfrauen-Leben. Oder sollen sich die Chauvinisten mal nicht ins Hemd machen. So ein süßer Aufdruck sei ihr alle mal gestattet.

2 Aug 2016

Antiviren-Software-Hersteller Kaspersky mit sexistischer Werbung

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„Sei ein Mann – Installier den Mädels nen Virenscanner!“ so oder so ähnlich kann man die aktuelle Werbekampagne von Kaspersky wohl zusammenfassen, bei der eine Vielzahl von Frauen offensichtlich von einem Mann nur das eine will: Einen Virenscanner.
kaspersky
Und für diese Werbung wird Kaspersky nun massiv wegen Sexismus kritisiert, weil impliziert würde, Frauen wären nicht Lage ihre Computerprobleme alleine zu lösen. Entsprechend fanden sich natürlich schnell Kommentare wie „Danke, Kaspersky, ich hätte beinah vergessen, dass Frauen nix von Computern verstehen“ oder „Die 1970er-Jahre hätten gern ihre Werbekampagnen zurück“. Es wird auch generell in Frage gestellt, ob man mit Kaspersky-Software Frauen verführen kann. Besonders ironisch finden manche den Vorfall zudem, weil die Firma Kaspersky mit Natalya Kaspersky von einer Frau mitgegründet und jahrelang geleitet wurde.
Das Unternehmen hat auf diesen Shitstorm allerdings schnell reagiert und gab bekannt, die Firma bereue den Fehler sehr, dass dieses „unangemessene Bild“ zur Werbung verwendet wurde. Zumal diese Werbeanzeige auch zahlenden Kunden des Programms auf dem Desktop angezeigt wurde.

Was meint ihr dazu:
War der Kaspersky-Shitstorm gerechtfertigt, denn solche sexistischen Werbungen haben wir heutzutage wirklich nicht mehr nötig.
Oder kann eine selbstbewusste, moderne Frau auch mal einfach über so etwas stehen: Das Spiel mit Klischees beherrschen schließlich beide Seiten sehr gut, zudem wird in dieser völlig unrealistischen Situation auch der allgemein nicht als Weiberheld bekannte Nerd veralbert.

12 Jul 2016

Trotz Dopingskandal: 2 von 136 russischen Athleten dürfen bei Olympia starten

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Es war bereits im November 2015, dass der russische Sportverband mit all seinen Sportlern von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen wurde.
Ein massiver Dopingskandal hatte Sportlerkreise erschüttert, es wurde eine „systematische Dopingkultur im russischen Sport“ unter Beteiligung des nationalen Leichtathletik-Verbandes, der offiziell unabhängigen Anti-Doping-Agentur „Rusada“ und der russischen Regierung aufgedeckt. Selbst der russische Inlandsgeheimdienst FSB soll involviert gewesen sein.
Um zu verhindern, dass russische Sportler von Rusada des Dopings überführt werden, gab es einerseits ein inoffizielles Labor in Moskau, das als eine Art Schattenlabor die identische Ausstattung wie das offizielle Testlabor aufwies. In diesem Labor konnten Blutwerte von gedopten Sportlern auf ihre Unauffälligkeit geprüft werden, so dass sichergestellt wurde, dass den Sportlern bei den echten Dopingtests keine illegalen Mittel nachgewiesen werden konnten. Als weitere Maßnahme wurde allerdings auch das offizielle Labor von Rusada von staatlicher Seite beeinflusst. Unter anderem gab Laborleiter Rodschenkow gab in Interviews zu, 1417 Proben absichtlich vernichtet zu haben, weil sie möglicherweise verdächtige Werte aufwiesen.
Nachdem diese Machenschaften durch mehrere Whistleblower publik wurden, wurden zahlreiche russische Leichtathleten zu gravierenden Dopingsperren verurteilt, fünf Athletinnen, vier Trainer und ein Sportmediziner wurden sogar auf Lebenszeit gesperrt.

Nun hat der Leichtathletikweltverband IAAF über die von 136 russischen Sportlern beantragte Sonderstartberechtigung entschieden. Die Entscheidung lautete, dass nur die Whistleblowerin Julia Stepanowa und die Weitspringerin Darja Klischina (25) eine Starterlaubnis als „neutrale Athletin, d.h. nicht unter russischer Flagge, erhalten. Ein Glück für T-Online, deren definitiv feminismuskompatible Rubrik „So sexy wird Olympia“ damit nicht um einen hübschen Beitrag reduziert werden muss!
olympiarus
Gegen Darja Klischina tobt nun allerdings in ihrer Heimat ein heftiger Shitstorm, denn Klischina hatte die Ausnahmegenehmigung erhalten, weil sie seit geraumer Zeit in den USA lebt und trainiert und sich den dortigen Dopingkontrollen unterzieht. Viele Russen beschimpften sie daher als „Verräterin“.
Sportminister Witali Mutko versuchte derweil zu beschwichtigen, sie hätte sich das Startrecht verdient und sei keine Verräterin, überzeugen konnte das aber niemanden.
Stabhochsprung-Star Jelena Issinbajewa kritisierte derweil das Urteil des IAAF in blumigen Worten:

Die Entscheidung ist nur heiße Luft – auch wenn sie sehr stinkt. Warten wir auf die Erklärung des Internationalen Sportgerichtshofs am 21. Juli, die allein entscheidend sein wird.

Und tatsächlich: Am 21. Juli wird das Internationale Sportgericht CAS das endgültige Wort sprechen. Das Votum des IAAF dürfte aber zumindest als Fingerzeig für die dortige Entscheidung gesehen werden.

Was meint ihr:
Haben sich Nestbeschmutzerin Stepanowa und die Verräterin Klischina einen Shitstorm verdient, weil sie ihr Land im Stich lassen?
Oder sollen sich die Kritiker nicht ins Hemd machen: Wer wie Stepanowa viel riskiert, um eine unbequeme Wahrheit ans Licht zu bringen, oder wie Klischina seit Jahren nachweislich nicht mit den russischen Methoden in Kontakt gekommen ist, hat sich sein Startrecht verdient.

27 Jun 2016

Atze Schröder wirbt für Wiesenhofs neue Riesenbratwurst, die Gina-Lisa um den Verstand bringt

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Wiesenhof hatte anscheinend mal wieder Shitstormbedarf. Deshalb hat man ausgerechnet jetzt ein Werbevideo mit Atze Schröder veröffentlicht, das angeblich schon vor einem Jahr gedreht wurde.
„Ausgerechnet jetzt“, weil Atze in dem Video behauptet, die Wurst sei so groß, sie würde „Gina und Lisa“ dermaßen beeindrucken, dass danach eine „Trauma-Therapie“ notwendig wäre. Ein sensationell dämliches Timing in Tagen, in denen gerade die mutmaßliche Vergewaltigung der ehemaligen GNTM-Kandidatin Gina-Lisa Lohfink öffentlichkeitswirksam vor Gericht verhandelt wird.

Also alles in allem…nach dem Anschauen des Videos bin ich mir nicht sicher, was das für eine schwachsinnig-dämliche Werbung sein soll. Fernsehgeeignet wirkt sie nicht, vermutlich sollte das Video also möglichst irgendwie Viral werden oder so, man weiß es nicht…Laut NDR hatte Wiesenhof den 2015 gedrehten Werbespot im März 2016 auf YouTube hochgeladen und es dauerte offensichtlich bis jetzt, damit er, angestoßen durch diesen Skandal, eine größere Bekanntheit erlangte.
Der Präsident des Gesamtverbands für Kommunikationsagenturen GWA hält den Werbespot für einen geschmacklosen Super-Gau:

Ohne die Anspielung auf die Aussage von Gina-Lisa Lohfink, die derzeit an einem Verfahren wegen mutmaßlicher Vergewaltigung beziehungsweise falscher Verdächtigung beteiligt ist, ist der Spot schlicht geschmacklos. So aber wird daraus ein kommunikativer Super-Gau

Er glaube aber nach wie vor, dass das von Justizminister Heiko Maas geplante Verbot sexistischer Werbung überflüssig sei: „Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass die Selbstregulierung des Marktes und der Branche völlig ausreichen, um gegen solche Fälle vorzugehen“.
In kürzester Zeit sammelten sich in den Sozialen Netzwerken tausende Kommentare wie:

– Die, die mit Vergewaltigung Werbung machen. Ihr & Atze seid ekelhaft
– 20 Zentimeter Hirn – danach müssten Atze und Wiesenhof erst einmal in die Traumatherapie.
– Hähnchen-KZs, Atze Schröder und Spott über eine vergewaltigte Frau. Bei Euch stimmt das Gesamtpaket.

Wiesenhof und Schröder hatten sich daraufhin bereits am Wochenende öffentlich entschuldigt. Der Spot hätte im zeitlichen Zusammenhang mit der Causa Lohfink so definitiv nicht veröffentlicht werden dürfen, teilte Wiesenhof am Samstag mit. Man wolle sich dafür in aller Form entschuldigen und habe das Video sofort aus dem Netz genommen.
Auch Vollzeitprolet Schröder schlug auf seiner Facebookseite kurz darauf im folgenden Post ungeahnt reumütige Töne an:
wiesenhof

Was meint ihr dazu:
Haben sich Atze Schröder und Wiesenhof den Shitstorm redlich verdient für ihren debilen Werbespot, der sich über die seelisch sicherlich bereits genug belastete Gina-Lisa lustig macht? Und mal im Ernst…20 cm Bratwurst soll lang sein? Es gibt doch auf jedem Weihnachtsmarkt 1/2 Meter Würste?!
Oder sollen sich die Leute nicht ins Hemd machen: Atze hat sich entschuldigt und als der Spot gedreht wurde, sah die Welt um Gina-Lisa noch ganz anders aus.

17 Jun 2016

Chauvi-Shitstorm gegen Fußballkommentatorin Claudia Neumann

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Am letzten Samstag gab es beim EM-Spiel Wales gegen Slowakei eine Premiere im deutschen Sportfernsehen: Zum allerersten Mal moderierte eine Frau ein Männerfußballspiel bei einem großen Turnier. Und es kam, was kommen musste: All jene, die tagein, tagaus Béla Réthy für seinen Kommentar verfluchen, versammelten sich auf Twitter, um dieses Mal Claudia Neumann zu verteufeln. Und heute Nachmittag wird es zu allem Überfluss mit dem Spiel Italien gegen Schweden ein weiteres Spiel geben, das von Neumanns Stimme, die angeblich „super gruselig [ist], die könnte Horrorfilme sprechen“ vollkommen verhunzt wird, so dass man laut manchem Twitterkommentar taub wird, wenn man den Fernseher nicht nach spätestens 5 Minuten mutet. Eine kleine Auswahl an Kommentaren, die wir also auch heute Abend wieder ganz frisch erwarten dürfen:
neumann
Claudia Neumann kommentierte die Kommentare ihrerseits in einem Interview mit dem Satz „Ich selbst kümmere mich nicht um Shitstorms“.
Viel interessanter ist bei diesem Thema allerdings das scheinheilige Verhalten der Medien. Diese geben sich einerseits regelmäßig emanzipiert und frauenfreundlich können nicht oft genug betonen, wie wichtig und richtig es ist, dass heutzutage auch immer öfter Frauen durch fachliche Fähigkeiten in ehemalige Männerdomänen vordringen. Andererseits werden Frauen allerdings ebenso regelmäßig vor allem als Eyecatcher dargestellt. Stellvertretend an dieser Stelle einmal der Claudia-Neumann-Artikel auf web.de, der nach der Analyse, dass es kaum zu fassen ist, dass im Jahr 2016 solche Debatten überhaupt noch geführt werden müssten, die besten Bilder von der EM präsentiert:
neumann2
Diese Doppelzüngigkeit ist eigentlich einen eigenen Shitstorm wert.

Aber: Der eigentliche Aufmacher war ja der Chauvinistenshitstorm gegen Claudia Neumann auf Twitter. Also wie immer die Frage:
Sollen sich die Chauvinisten mal nicht ins Hemd machen, weil eine Frau Fußball kommentiert? Immerhin wird der Bundesligafußball im Radio schon lange von Sabine Töpperwien sehr gut kommentiert und beim Frauenfußball tummeln sich auch oft sehr viele männliche „Experten“. In ein paar Jahren wird man hoffentlich keinen Gedanken mehr an solchen Quatsch verschwenden und Frauen beim Fußball völlig normal finden.
Oder ist der Shitstorm gegen Frau NeufrauNeumann gerechtfertigt, denn eine Frau im Männerfußball geht nunmal schlichtweg gar nicht. Männerfußball besteht aus 11 Männern gegen 11 Männern mit ca. 6 Schiedsrichtermännern, einem männlichen Kommentator (aber nicht der Réthy!) und männlichen Fans, die männliches Bier trinken und sich hinterher prügeln. Frauen sind da nur als Spielerfrauen zulässig, sofern sie gut aussehen. Dazu auch nochmal zur Erinnerung das folgende Video: