Archiv: Mai 2016

31 Mai 2016

Windows 10: Microsoft will üble Tricks aufgeben

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Microsoft macht sich seit geraumer Zeit bei den Nutzern seiner Betriebssysteme nicht sonderlich beliebt. Bereits seit seit Frühjahr 2015 werden Nutzer von Windows 7, 8 und 8.1 regelmäßig mit einem großflächigen Popup darauf aufmerksam gemacht, sie können für einen begrenzten Zeitraum kostenlos auf Windows 10 upgraden. Während Microsoft stolz ist, dass sich Windows 10 inzwischen auf über 300 Millionen Rechnern befindet, sieht die Kehrseite der Medaille ganz anders aus: Zwar haben bereits ca. 15 % aller Rechner weltweit bereits das Upgrade auf Windows 10 durchgeführt, jedoch laufen auf über 60% der Rechner immer noch die alten Betriebssysteme Windows 7, 8 und 8.1. Offensichtlich haben 4 von 5 Upgrade-Berechtigten Rechnern das Upgrade noch nicht durchgeführt.
Was vor über einem Jahr noch richtig nett schien, hat sich im Laufe der Zeit nun aber zum absoluten Ärgernis entwickelt:
Nachdem den Nutzern zunächst noch ganz unverbindlich eine Reservierung des Systems schmackhaft gemacht wurde, haben sich im Laufe der letzten Monate Microsofts Versuche, auch die nicht-upgradewilligen Nutzer umzustimmen radikal gewandelt. Mal wurde aufgedeckt, dass Microsoft das ca. 3 GB große Systemupdate ungefragt vorab auf alle betreffenden Rechner heruntergeladen hat (Microsoft hat dies nach einer Abmahnung durch die Verbraucherzentrale für die Zukunft beendet), dann wurde der entsprechende Upgrade-Dialog, der nach wie vor bei jedem Rechnerstart angezeigt wird, geändert, so dass es neue Wahlmöglichkeiten für die Nutzer gab: [Ja, jetzt upgraden] und [Ja, später upgraden].
W10
Nachdem sich die Nutzer allmählich dran gewöhnt hatten, auf diese Falle nicht hereinzufallen und den Dialog stattdessen mit dem [X] zu schließen hat Microsoft kürzlich aber anscheinend mal wieder Bedarf gesehen, die Daumenschrauben weiter anzuziehen. Zunächst im englischen Sprachraum:
W10c
Die Installation soll nun demnach an einem geplanten Zeitpunkt stattfinden. Dazu die neuen Schaltflächen: [Nö, lieber jetzt sofort] und [OK]. Der offensichtlich vermittelte Eindruck: Mit [OK] bestätigt man den geplanten Zeitpunkt. Also lieber wie gewohnt [X] klicken und alles ist wie gehabt. Im Anschluss haben aber sehr viele erboste Windowsnutzer nicht schlecht gestaunt, als am angegebenen Termin plötzlich das Upgrade gestartet wurde.
Microsoft erklärt zur Funktionsweise in seiner Knowledge Base:

Diese Benachrichtigung bedeutet, dass Ihr Windows 10-Upgrade zur angegebenen Zeit durchgeführt wird, außer Sie wählen „Upgrade now“ oder „Click here to change upgrade schedule or cancel scheduled upgrade“. Wenn Sie auf OK oder das rote „X“ klicken, ist damit alles erledigt.

Kurzum: Microsoft bedient sich derselben Methoden wie Malware-Hersteller. Man versucht mit verwirrender und wechselnder Anordnung und Bedeutung der Schaltflächen bewusst Nutzer dazu zu bringen, etwas falsches zu klicken und gegen ihren Willen eine Installation durchzuführen. PC World-Redakteur Brad Chacos verglich dieses Vorgehen sogar mit dem „Vertauschen von Brems- und Gaspedal in einem Auto“.
Nach dem folgenden Shitstorm gab Microsoft nun aber bekannt, den Upgrade-Dialog aufgrund von „Kundenfeedback“ anpassen zu wollen. Man kann also gespannt bleiben, welches kreative Layout der Schaltflächen demnächst veröffentlicht wird.

Was meint ihr dazu:
Ist ein Shitstorm gegen Microsoft absolut gerechtfertigt, denn wer Nutzern, die ein bezahltes Betriebssystem (Windows 7,8,8.1) einsetzen derartig das Leben schwer macht, ist einfach nur unverschämt und bedient sich unlauterer Methoden? Zudem sollte man sich fragen, welches Interesse ein Wirtschaftsunternehmen daran hat, seine Software mit derartigem Nachdruck zu verschenken (Datenschutz, anyone?).
Oder sollen sich die Nicht-Upgrader mal nicht ins Hemd machen? Schließlich ist Windows 10 doch voll gut und Microsoft total nett, es für lau herauszugeben! Genau so nett, wie Facebook und Google und so, die uns ganz ohne Gegenleistung ihre Dienste überlassen!

30 Mai 2016

AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland beleidigt Jérôme Boateng

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Alle Nachrichtenquellen, die es gibt, überschlagen sich derzeit: Alexander Gauland hat Jérôme Boateng beleidigt, welch fataler Frevel. Schon der letztewöchige Shitstorm gegen Pegida hätte Gauland in diesem Zusammenhang aufschrecken lassen müssen: Niemand darf unsere Nationalspieler beleidigen! Nun ist allerdings alles zu spät, denn laut der FAS hat Gauland gesagt:

Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.

Dazu im nachhinein zur Rede gestellt betonte Gauland gestern in der Tagesschau allerdings, er habe allenfalls geäußert, was dem untenstehenden Bild zu entnehmen ist:
boateng2
was sein Eindruck von den Gefühlen vieler Menschen sei. Es gäbe viele Menschen, „die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“ (Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.) und es handele sich bei der Aussage keineswegs um seine eigene Meinung. Zu spät, um einen Shitstorm zu vermeiden. Und vielen wohl auch zu unglaubwürdig.
Die Reaktionen auf Twitter gingen daher eindeutig in die Richtung: Wer einen Boateng als Nachbarn hat, kann sich glücklich schätzen und wir sollten uns freuen, dass er hier ist.
boateng3
boateng4

Aber was meint ihr dazu:
Hat Gau-land damit einen Social-Media-Super-Gau (hihi) in eigener Sache verursacht und er wird zu Recht mit einem Shitstorm überzogen?
Oder sollen sich die Leute mal nicht ins Hemd machen wegen jedem einzelnen Satz aus dem Mund der AfDler?

29 Mai 2016

Shitvote: Der Shitstorm der Woche #9

Also eins muss man ja sagen: Rassismus ist im Bereich Shitstorms definitiv eine ganz große Nummer. Schon ein Blick auf die Keywords (rechts oben) verrät, dass dieses Thema permanent präsent ist. Bedenklich. Diese Woche hat sich in dem Zusammenhang als erstes mal wieder Pegida hervorgetan. Die Pegidistengruppe aus Baden-Württemberg hat nämlich öffentlich kritisiert, dass es mit diesem ganzen Multikultischeiß nun wohl endgültig zu weit geht, wenn sogar auf der guten alten Kinderschokolade kleine Negerkinder schwarze Kinder abgebildet werden. Nur dumm, dass diee Leute von Pegida es vor lauter rassistischer Aufgeregtheit gar nicht bemerkt haben, dass die abgebildeten Kinder dieselben Leute sind, denen ganz Deutschland 2014 nach dem WM-Sieg zugejubelt hat. Chinesen haben anscheinend eine andere Kultur als wir (haha, das wussten wir auch vorher schon), denn den gestrigen Shitstorm zum Waschmittel, das angeblich sogar Schwarze weiß waschen kann, konnte im Reich der Mitte kaum einer Nachvollziehen. Naja. Wenn es dort drüben keinen Shitstorm gibt, dann müssen wir das wohl übernehmen. Ob das Verhalten des Münchener S-Bahn-Kontrolleurs, der einer Chinesin, die ihre Fahrkarte nicht abgestempelt hatte, ihren Reisepass und die Arbeitserlaubnis abnahm und die Dokumente dann einfach einbehielt, ebenfalls unter die Kategorie „Rassismus“ fällt, kann man hingegen wohl hinterfragen. Vermutlich war der Typ einfach nur unverschämt und anmaßend. Abgerundet wurde die Shitstormwoche von der Bekanntgabe, dass Bayer den sympathischen Konzern Monsanto übernehmen will, dass Whatsapp seine Kundenbenachteiligenden AGB ins Deutsche fassen muss (damit man dann auf Deutsch die AGB wegdrücken kann) und dass Scooter nach 20 Jahren endlich in den USA berühmt wird.
Was meint ihr, welcher dieser Shitstorms in der abgelaufenen Woche im Vergleich am meisten Shit aufgewirbelt hat?


Außerdem nun die Ergebnisse der letzten Woche:
1. Platz:
Mit jeweils 35% der Stimmen gibt es zum ersten Mal einen geteilten 1. Platz: Sowohl die Bemerkung der AfD, Merkel sei schuld am schlechten ESC-Abschneiden von Jamie-Lee, als auch die groSSartigen Kopfhörer „Klangs by Hitler“ in einem US-Onlineshop haben bei euch in der letzten Woche einen Platz-1-würdigen Eindruck hinterlassen.
3. Platz:
Hinter den beiden 1. Plätzen konnte sich mit 15% die Stiftung Warentest die Bronzemedaille sichern. Deren Warnung vor Internettrollen wurde von Internettrollen begeistert als Einladung zum Trollen angenommen. Tolle Trolle.

28 Mai 2016

ein chinesisches Waschmittel wird damit beworben, dass es sogar schwarze Menschen weißwaschen kann

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Manchmal sieht man etwas und reibt sich dann die Augen und fragt sich nur noch: Hab ich das gerade echt richtig gesehen? Viel Spaß beim Anschauen des folgenden Werbespots:

Also ich konnte mir ein Lachen dabei nicht verkneifen, so unwirklich schien es mir, dass tatsächlich eine Firma einen solchen Werbespot offiziell veröffentlicht. Aber die Firma Qiaobi hat offensichtlich gar kein Problem dabei gesehen, die Waschkraft des eigenen Produktes damit zu beschreiben, dass sogar schwarze Haut endlich wieder in einem wunderbaren weiß erstrahlt. Laut dem „Shanghaiist“ läuft die Werbung in China bereits seit einem Monat in Fernsehen und Kino und hat dort nur sehr spärliche Kritik hervorgerufen. Anscheinend ist die in der westlichen Welt so verbreitete Political Correctness für die Chinesen noch ein Fremdwort, der Eigentümer der Firma Qiaobi versteht die Kritik auch gar nicht. Seiner Meinung nach ist die Werbung doch überhaupt nicht rassistisch und da in China helle Haut als besonders attraktiv gilt, werden auch allerorten Hautaufhellende Kosmetika beworben.
Auf Twitter sieht man das freilich etwas anders:


Was meint ihr zu dieser Werbung?
Ist der Shitstorm gegen Qiaobi gerechtfertigt, denn etwas rassistischeres gab es schon lange nicht zu sehen?
Oder sollen sich die Leute mal nicht ins Hemd machen (okay, könnte man ja wieder rauswaschen…also macht ruhig.), die Werbung ist doch schließlich offensichtlich nicht ernst gemeint.

27 Mai 2016

Jimmy Fallon veralbert Scooter wegen des Liedes „How much is the Fish“

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Jimmy Fallon hat sich Anfang der Woche mit Scooter angelegt. In der Rubrik „Do not Play“ seiner Late-Night-Talk-Show stellt er regelmäßig Lieder vor, die seiner Meinung nach so furchtbar schlecht sind, dass man sie niemals irgendwie spielen sollte, um nicht vor Verblödung zu explodieren. Dieses mal war unter anderem der Klassiker „How much is the Fish“ von Scooter dran. Ein Lied, anhand dessen man sich auch in Deutschland regelmäßig ob des nicht sonderlich tiefgehenden Textes über Scooter lustig macht. Fakt ist allerdings, dass keine Musikgruppe in Deutschland mehr Top-Ten Hits in den Charts landen konnte als Scooter, nämlich schon über 20!
Hier der Ausschnitt aus Jimmy Fallons Sendung, bei 1:21 geht’s los mit Scooter a.k.a. Skutah:

Im Anschluss daran stellte sich aber im folgenden Shitstorm schnell heraus: Wenn einer Witze über Scooter macht, dann wird Deutschen selber! Jimmy Fallon soll die Fresse halten. Außerdem machen doch auch unzählige amerikanische „Künstler“ Lieder mit vollkommen sinnentleerten Texten und Jimmy Fallon hätte sich mal die Mühe machen sollen, eins der vielen anderen absoluten Klasselieder von Scooter rauszusuchen:

– Dude. Scooter is really popular here. Don’t you dare make fun of him only we are allowed to do that
– Man he is legend, you just picked the worst song, but try finding another…

Nachdem auch Scooter Frontmann H.P. Baxxter sich wunderte, wieso das Lied erst jetzt in Amerika angekommen ist, befand Fallon es für notwendig, mit dem folgenden Video zu antworten, in dem er sich „auf seine Art“ entschuldigt:

Und das wiederum hat H.P. dazu bewogen, ebenfalls ein Video zu posten, in dem er die Fragen von Jimmy Fallon beantwortet, inklusive der einen Frage, auf deren Antwort wir wohl alle schon seit 1998 warten:
– War der Fisch zum Essen oder für ein Aquarium gedacht? –> Fürs Aquarium
– Lebt der Fisch noch? –> Ja, er lebt mittlerweile in einer Tierpension, ist aber noch in regelmäßigem Kontakt mit der Band
– Wird Scooter auf dem Soundtrack von „Findet Dory“ (Teil 2 zu Findet Nemo) vertreten sein? –> Nein, aber der Fisch ist mit dabei
…und last but not least:
– HOW MUCH IS THE FISH?! –> 3,80 DM!

Sehr cool reagiert, Herr Baxxter.

Aber was meint ihr zu dieser Sache:
Könnt ihr die Existenz eines Shitstorms bei diesem Thema etwa nicht verstehen? Sollen die Hosenscheißer, die sich wegen so einer Kleinigkeit ins Hemd machen, sich mal nicht aufregen?
Oder ist der Shitstorm gegen Jimmy Fallon gerechtfertigt, denn niemand macht Witze über SCOOTER!!!!